Schlechter zeichnen durch ZURÜCK AUF LOS!

Es liegt auf der Hand, warum aus mir nie ein Zeichner wurde: weil ich nicht zeichnete! So einfach ist das. Der Bäcker backt, der Maurer mauert und der Zeichner zeichnet. Macht er’s nicht, ist er’s nicht.

Eine Mischung aus Angst, Minderwertigkeitsgefühlen und irrigem Talentglauben hat dazu geführt, daß aus meinem Traum vom Zeichnen nie was wurde.

Bis heute sitzt dieser Mist in mir. Sobald ich den Bleistift ansetze, gehen die Lichter aus, alle Visionen, Träume und Wünsche sind futsch. Ich wage es nicht, mich auf dem Papier auszutoben, nur diszipliniertes Üben geht ein Weile. Panzerfahren.

Außerdem weiß ich leider zu gut, wie ein gelungenes, professionell gezeichnetes Bild aussieht - so was ist keine gute Nahrung fürs Durchhaltevermögen! Jahrelang sehen, daß man schlechte Bilder zeichnet und darauf hoffen, daß irgendwann die guten kommen? - HÖLLE!

Zu verstehen, wie der Karren in den Dreck gefahren ist, ist eine Sache - ihn ewig später wieder rausziehen zu wollen eine andere. Manches ist eben für immer in den Brunnen gefallen, der Drops gelutscht, die Milch vergossen. Und niemals steigt man zweimal in den gleichen Fluß. Einen hab ich noch: »Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!«

Soweit die Weisheiten, Sprüche und Phrasen zum Thema. Muß ich vor den Realitäten kapitulieren?

Schon lange rätsle und grüble ich darüber, suche nach Tricks und Behelfslösungen, nach passenden Lehrbüchern und Videos, die mir einen Ausweg zeigen.

Die Antwort fand ich auf meinem Dachboden. In einem A5-Heftchen, genannt »Peinliche Frühwerke«, ich grub das Fanzine beim Aufräumen aus. Keine Ahnung, wie es auf den Dachboden gelangt war, sicher wollte ich es irgendwann wegwerfen, es enthielt ja nur Gekritzel, Amateur- und Kinderzeichnungen, von vorne bis hinten. Wer braucht so was? Na, ICH!

Denn bei genauerem Hinsehen stellte ich fest, daß es sich um eine Sammlung erster Comic-Gehversuche von Zeichnern handelte, von denen mir viele aus Zeiten der Alligator Farm und der Comic-Szene überhaupt bekannt sind. Etwa Maikel Das (9 Jahre), Levin Kurio (11), Eckart Breitschuh (10) und Wittek (14). Speziell Wittek hat sich über die Jahre zu einem echten Könner entwickelt - was seine Kinderzeichnungen nicht ahnen lassen.

Seit Wochen schon liegt das Ding auf meinem Schreibtisch, ich schaue fast täglich hinein. Es beeindruckt mich. Die Kids hatten Mut, verdammt, im Gegensatz zu mir! Sie zeichneten, was sie gerade beschäftigte, was rauswollte, rausMUSSTE! Voll heiliger Ignoranz, ob die Ergebnisse gut oder schlecht waren.

Diese Ignoranz gefällt mir. Was den Wunsch in mir weckte, wieder ein Kind zu sein. Aufs Papier zu schmieren, was aus mir rausquillt. Freude haben an schlechten Zeichnungen.

Was nur eine Schlußfolgerung übrig läßt: Ich werde zu Zeitreisen aufbrechen! Und zwar zu genau den Momenten, die ich in den bisherigen Folgen dieses Blogs geschildert habe und die mich immer noch interessieren. Als sich die Dinge in die falsche Richtung entwickelten! Dazu den gleichen Schund lesen, die gleiche Musik wie damals hören, die gleichen Filme und Serien glotzen. Ist ja alles heutzutage kein Problem mehr.

Hört sich nach einem spannenden Abenteuer an, YES! Nach einem Spiel, bei dem ich versuche, für ein paar Stunden zu dem Jungen zu werden, der ich einst war. Aber nicht von Nostalgie getrieben, nicht von Erinnerungen an die »gute alte Zeit«. Die war bei mir nicht gut, da gibt’s nichts zu romantisieren. Stattdessen will ich mich am Ziel meiner Zeitsprünge mit Dämonen konfrontieren und sie mit Bleistift und Radiergummi austreiben.

Also: Zuerst als Drei- oder Vierjähriger mit Buntstiften herumkritzeln. Später auf Butterbrotpapier Comic-Bilder durchpausen. Wie mit Zehn in meinem Perry schmökern und hinterher eine Raumschlacht zeichnen. Auf dem Level eines Zehnjährigen, so soll es sein! Genauso wie die von mir erfundenen Geschichten, aus denen ich meine Comics mache. Mit Figuren, die an Strichmännchen erinnern.

Dann werde ich wieder zum Vierzehnjährigen, der am Wohnzimmertisch sitzt und und sich an Prinz Namor und den Rächern die Zähne ausbeißt. Versuche mich Stück für Stück von den Heften zu lösen und stattdessen eigene kniffligen Visionen zu Papier zu bringen. Will Muskeln wachsen lassen, wo eigentlich keine sind, Menschen, Tiere, Dinge erfinden, die nur mir gehören.

»Freihändig« muß nichts davon sein. Hauptsache, es gelingt irgendwie mit Bordmitteln, die selbstgestellten Aufgaben zu lösen. Ich kann klauen, verfälschen, durchpausen - oder auch mal faul sein und rumstümpern, scheiß auf richtig oder falsch. Diesmal zeige ich allen, die reinquatschen, den Stinkefinger!

Was auf lange Sicht dabei rauskommt, ist unwichtig. Vielleicht bleibt es für den Rest meines Lebens beim Abzeichnen von Superheldenmotiven und Rhodan-Aliens - was solange ok ist, wie es Spaß macht. Oder es entwickelt sich was ganz anderes draus. Aber das wissen auch Vierzehnjährig nicht, sonst könnten sie's gleich lassen. Wäre ja langweilig.

 

Weil es auf die Dauer anstrengend ist, immer nur Kind zu sein (und auch das ganz reale Leben sabotiert), heißt die Devise: Getrennt marschieren, vereint siegen:! Zwischen den Zeitreisen werde ich als Erwachsener folgende Dinge tun:

 

1. Bei Draw A Box mein dreidimensionales Vorstellungsvermögen auf Vordermann bringen. Das kostet nix.

2. Bei Love Life Drawing meine Kenntnisse über Figurenzeichnen verbessern. Die Grundkurse sind auch da umsonst.

 

Du sagst mir Scheitern voraus? Na klar werde ich scheitern - aber schöner als jemals zuvor!

Und jetzt: ZURÜCK AUF LOS!

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